Angeln am Kochelsee
 

Angeln am Kochelsee

Kochel am See, Kochelsee

Der See liegt ruhig und anmutig vor der imposanten Kullisse des Herzogstandes. Er scheint noch zu schlafen.
Das kleine, blaue Ruderboot schiebt sich mühelos durchs kalte und kristallklare Wasser. Mit jedem Schlag der hölzernen Rudern hebt und senkt sich das Boot im gleichbleibenden Rhytmus des Ruderers.
Ein kurzer Blick über die Rechte Schulter überzeut davon, dass das Boot noch auf Kurs ist.
Ich steuere zielsicher auf die Spitze der kleinen Halbinsel am gegenüberliegenden Ufer des Kochelsees zu.
Unter den Einheimischen ist dieses Stück Land auch als Hehnermoosinsel bekannt. An dieser Stelle wird der See plötzlich sehr flach.
Man muss aufpassen, dass man nicht auf Grund läuft.

Genau dort, zwischen flachem Ausläufer der Halbinsel und der steil abfallenden Schneise unter Wasser, die der durchfliessende Fluß Loisach durch das Seebett gräbt, stehen Sie.

RENKEN!

Ruhig und gelassen lege ich den vorderen Positionsanker per Kurbelwinde aus. Mit einem letzten, leichten Ruderschlag drehe ich das Boot mit der Breitseite in den leichten Wind und lege dann den Heckanker aus, damit sich das Boot nicht mehr drehen kann. So ist es auch gegen die leichte Ströhmung gesichert, so dass das Boot nicht abtreiben kann und ich versehentlich wieder am Westufer ankomme.

Auf ca. 4m Tiefe lege ich nun meine Hegene aus. Eine Angel mit zwei Haken, sogenannten Nymphen. Sie immitieren die aufsteigenden Larfen von Mücken, bevor Sie sich an der Wasseroberfläche ein letztes Mal häuten und als fliegende Quälgeister in ihr neues Leben entschwinden.

Am geeignetsten scheint mir zudem eine handelsübliche Renkenpose, die die Haken per Stopper und Perle auf einer konstanten Tiefe von ca. 50 cm über dem Grund hält. Durch ihren großen Auftriebskörper und der knalligen Farbe ist sie auch aus etwas größerer Entfernung noch gut sichtbar. Die leichten Wellen am Kochelsee lassen den Schwimmer fröhlich auf und ab wippen. Die Angelschnur überträgt diese Bewegungen direkt auf die am unteren Ende nunmehr lebensecht zappelnden Köder.

So ein herrlicher, sonniger Tag, denke ich mir, setze Hut und polarisierte Brille auf, rücke meinen Sonnenstuhl zurecht und setze mich entspannt zurück.
Keine
fünf Minuten vergehen und die Pose fängt wild an zu wippen, taucht zwei, drei Mal leicht ins Wasser ab und kippt dann auf die Wasseroberfläche um. Beinahe konnte man das klatschende Geräusch hören.

(Für alle Nichtangler: Eine Renkenpose besteht aus einem Schwimmkörper und einer halb so großen zweiten Styroporkugel, die an einem Röhrchen 20 cm über dem Schwimmkörper positioniert ist. Beisst nun eine Renke am Haken an, so hebt sie den Köder hoch, der Schwimmer bekommt Übergewicht und kippt um.)

Sofort schnellt das Adrenalin in meine Adern. Ich nehme meine Angelrute auf und schlage durch eine gefühlvolle, aber kräftig ruckartige Bewegung den Haken fest.

Renken haben eine schwache "Lippe", aus der sich der Haken im Todeskampf leicht löst. Daher ist es angebracht, den Fisch so schnell wie möglich zu landen. Je näher ich den Fisch ans Boot bringe, desto wilder sausst die Schnur hin und her durchs Wasser und folgt den Fluchtbewegungen der kleinen Renke. Als ich durch das Wasser den Fisch das erste Mal zu Gesicht bekomme, bestätigt sich meine Befürchtung. Stahlblauer Rücken, der sich nach unten hin in ein kräftiges Smaragdgrün verliert. Zu klein! Renken genießen am Kochelsee ein Schonmaß, das nicht unterschritten werden darf.
Ich greife ins Wasser, folge der Schnur bis zum Maul des Fisches und löse mit einem gekonnten Griff den Haken. Der kleine Fisch flüchtet blitzartig in tiefere Gewässer und aus meinem Blickfeld in seine neuerlich gewonnene Freiheit.
Enttäuscht werfe ich die Angel wieder aus. Diesmal etwas weiter. Der Schwimmer befindet sich 5 - 6 Meter vom Boot weg. Mit leichten Zupfbewegungen ziehe ich die Köder wieder in den Strömungsbereich der unter der Wasseroberfläche fließenden Loisach. Langsam gebe ich etwas mehr Schnur, um eine größere Fläche zu befischen und lasse die Pose abtreiben.
Die nächste halbe Stunde vergeht ohne einen einzigen Biss. Ich spiele mit dem Gedanken, den Standort zu wechseln. Felsenkeller oder Campingplatz kreisen durch meinen Kopf.
So in Gedanken wäre mir beinahe entgangen, wie sich der Schwimmer langsam und faßt wie in Zeitlupe zur Seite legt, und liegen bleibt. Ich werde hecktisch. Ein kurzer Ruck an der Rute versenkt den Haken tief im Maul des Fisches.
Diesmal könnte es etwas werden, denke ich mir und schon sausst die Schnur aus der Trommel meiner Rolle. Das summende Geräusch der Schnurbremse, die verhindert, dass der Fisch die Schnur abreißt, ist gleichmäßig und ohne Hast. Nach einem kurzen Moment ist es vorbei und ich fange an, mit leichtem Druck auf die Schnur den Drill vorzubereiten. Langsam aber stetig kurble ich den Fisch heran. Als er nahe genug heran kam und mein Boot von unten erblickte, knickte er elegant zur Seite und schwamm leicht beschleunigend nach rechts weg auf das offene Wasser des Sees zu. Die Schnurbremse gab wieder nach und mein Fang holte sich die soeben gewonnenen Meter an Schnur zurück. In der Reflektion des Sonnenlichts auf seinem Schuppenkleid war ein goldener Schimmer mit braunem Nachglanz zu erkennen. WOW denke ich mir. Was für eine Größe!

Leicht panisch werdend hoffte ich nur, dass der Haken hielt. Eine gefühle Ewigkeit vergingen und ich hatte den Fisch wieder nahe genug am Boot, um Ihn mit dem Hebekescher zu bergen. In der linken Hand hielt ich die Angel hoch in die Luft und zog den letzten Meter Schnur dichter zu mir heran. Mit der rechten versuchte ich, den Kescher unter den Fisch zu bekommen.
In diesem Moment schnallzte die Angel zurück, der Haken löste sich und die Renke tauchte nach unten ins Wasser ab. Mein Herz blieb stehen.
Oh nein. Wie konnte das pasieren? Warum gerade jetzt?
Enttäuscht legte ich die Angel ab und zog die Hand mit dem Setzkescher zurück ins Boot. Doch was war das? Unten im Kescher zappelte ein Fisch. Scheinbar war die Renke gerade über dem Netzt, als sich der Haken löste und schwamm direkt nach unten in die Öffnung hinein.

Meine Freude könnt Ihr Euch ja sicherlich denken. Kurz legte ich einen Zollstock an um das Maß festzustellen. 45 cm!!! Was für ein Fang.

Zuhause angekommen präsentiere ich meinen Fang. Meine Oma sagte nur: "Aha, Peipus! Gratuliere"

Mit diesem Wort konnte ich damals nichts anfangen. Peipus!? Klingt irgendwie lateinisch.

Und hier kommts: Peipus ist Großmaräne oder Seerenke, die durch ihre Intelligenz und Erfahrung den Netzen der Berufsfischer entkommt und dadurch so groß werden konnte.




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KochelamSee24.com

Wanderkarte Kochelsee Übersichtskarte:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

               
               
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